Obstler für Rasmus …

… als Opfer für den Gott der Winde und der Meere … hoffentlich schmeckt es ihm und stimmt ihn für die kommenden Monate gnädig. So geht auch zu Beginn unserer Tour 2019 ein kräftiger Schluck ins blaue Meer und anschließend in unsere Kehlen. Ein kurzes Schütteln und die Automatik wird auf 360 Grad Richtung Insel Vulcano gestellt. Wir sind endlich wieder unterwegs mit unserer SOLUNA, mit halbem Wind 4 bft und fast 6 kn Fahrt.

Letztes Jahr beendete das „Yamaha-Drama“ unsere Erkundung der Liparischen Inseln und so wollen wir hierher zurück in eine Landschaft, die einzigartig und furchterregend zugleich ist.

Der Anker fällt in der gleichen Bucht wie letzten Sommer und schon am nächsten Morgen klettern wir die steilen Wege auf den Kraterrand hoch. Ein atemberaubender Blick in den Krater und auf die umliegenden Inseln lassen schnell den anstrengenden Aufstieg vergessen.

Wir laufen auf der Umrundung des Kraters über tatsächlich aktive und fauchende Schwefelspalten. Schon in der Antike nutzen die Griechen und Römer den Schwefel – das gelbe Gold der Insel – für die Konservierung ihrer Weine.

Am 3. August 1888 findet der letzte große Ausbruch auf Vulcano statt. Bei den ersten Explosionen gelingt zwar den Inselbewohnern im letzten Moment mit Booten die Flucht aufs Meer, die Strafgefangenen jedoch, die auf der Insel im Schwefelabbau arbeiten, können nur noch in die Stollen flüchten. Die weiteren heftigen Explosionen mit glühender Lava setzen den Schwefel in Brand und verhindern jegliches Entkommen der Zurückgebliebenen.

Drei Stunden ruhiges Segeln und wir sehen im Fernglas im Nordosten der Insel Lipari die steil ins Meer abfallende Bimssteinküste. Vor der bizarren Kulisse einer verlassenen Industrieanlage mit verrosteten Förderbändern schimmert das Meer in leuchtendem Türkis bis hin zu smaragdgrün. Südseeflair kommt auf und im kristallklaren Wasser genießen wir unser erstes Bad der neuen Saison.

Am Strand liegen die einstigen Kostbarkeiten der Insel – Obsidian und Bimsstein. Durch unterschiedliche Abkühlung der Lava haben diese eine verschiedene Dichte. Während der Obsidian durch schnelle Abkühlung glatt und hart wird, besitzt der Bimsstein eine poröse Struktur, die durch Gase gebildet wird. Obsidian, auch vulkanisches Glas genannt, hat Lipari in der Bronzezeit zu Reichtum gebracht.

Letztes Jahr lagen zu Weihnachten dicke goldgelbe sizilianische Zitronen unter den Tannenbäumen unserer Familien, dieses Jahr werden die „Geschenke“ wohl steinig ausfallen.

Die kleinste der Liparischen Inseln, Panarea, die „Insel der Reichen und Schönen“ wird im Sommer von Prominenz und Geldadel beherrscht und so genießen wir in der Vorsaison eine einsame Bucht am Punta Milazzese, erkunden die Überreste eines Dorfes aus der Bronzezeit, spazieren durch ein Labyrinth aus schmalen Gassen mit kleinen weißgetünchten Häusern mit hellblauen Fensterläden und Türen bis zum Hafen von San Pietro. Dort liegt in der Abendsonne am Anker bereits die erste Milliardärs-Yacht mit eigenem Hubschrauber, davor als Kontrast ein kleiner verrosteter Tanker, der mit Pipeline durchs Wasser seine Ladung auf die Insel pumpt, kleine Fähren kommen und gehen …

Die Idylle geht leider jäh zu Ende, als uns wieder einmal ein aufziehender Sturm über den Liparischen Inseln zum baldigen Aufbruch zwingt.

Weitere Bilder in unserer neuen Bildergalerie…

3 Antworten auf “Obstler für Rasmus …”

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