Das Ende naht, der Regen bleibt…

…180 Tage „Winterschlaf“ gehen zu Ende.

Die Sonne scheint, die Zitronen leuchten, das Meer ist ruhig und wir genießen Sizilien. Dieser Traum wird selten wahr. Die Sonne macht sich rar, der Sturm, abwechselnd Mistral von Nord und Schirokko von Süd, wird zur Nervenprobe. Den Schwell im Hafen bändigen die gestressten Leinen und die Klampen stehen unter Dauerbelastung. Aber es gibt auch Gutes zu berichten, das Teakdeck lässt auch bei Dauerregen keine Tropfen ins Innere und trotz allem haben wir viele schöne Stunden auf eine ganz andere Art im rauen Norden von Sizilien erlebt.

Einsame Wanderungen im Naturpark Nebrodi, Skifahren auf dem Etna auf blauen und roten Pisten in 2500m Höhe und ein Palermo Wochenende bei italienischen Freunden, die uns die Schönheit dieser herrlichen Stadt zeigen.

Das Freitagstreffen zur Happy Hour der Seglergemeinde wird zum festen Ritual und dort entstehen auch die Pläne durch gegenseitige Geheimtipps für den kommenden Sommer.

Mitte Februar wird SOLUNA mit einem riesigen Portalkran aus dem Wasser gehoben (gemessene 25,6 Tonnen bei leeren Tanks). Zwei Wochen genießt SOLUNA das Landleben und wird für kommende Abenteuer vorbereitet. Sechs Seeventile werden getauscht, die Zinkanoden erneuert und sie erhält zwei neue Unterwasseranstriche.

In dieser Zeit wohnen wir in einem kleinen Studio mit Meeresblick in dem kleinen Fischerort San Gregorio und lernen dort Carlos und seine Umweltaktivisten kennen, während uns das italienische Fernsehen filmt und wir interviewt werden. Wir begleiten diese Idealisten auf ihrem sonntäglichen Gang diesmal über den alten Fischerweg nach Capo d’Orlando. Das Müllsammeln kann zur Leidenschaft werden und abends hat man dann ein tolles Gefühl der misshandelten Natur geholfen zu haben.

Wir schleifen und lackieren in mehreren Schichten die Ablagen im Cockpit, erkunden immer mehr unseren Maschinenraum und bauen ohne fremde Hilfe einen neuen Plotter und ein neues, strahlungsarmes Radar ein.

Sieben Jahre auf der Bootsmesse Düsseldorf – nette Besuche am Parasailor-Stand, nie kommt es zum Entschluss und doch 2019 ist es soweit: Wir unterschreiben bei Thomas Wibberenz den Auftrag für einen 169m² Parasailor. Der Parasailor ist ein Spinnaker kombiniert mit einem Gleitschirm in der Mitte. Die Werbung verspricht: „Zwei Segel in einem! Der Parasailor kann von 70° bis 180° gefahren werden und deckt damit den Bereich eines Spinnakers und eines Gennakers ab.“ Die Spannung steigt – die Lieferung kurz vor Ende unserer Winterzeit klappt und Thomas fliegt zum großen Parasailortesttag ein. Trockenübungen und Theorie im Hafen und am nächsten Morgen geht’s vor die „Haustür“ zur praktischen Übung. Der Parasailor wird direkt auf dem Vorschiff aus der Segeltasche hochgezogen, entfaltet sich wie von selbst und stolz zieht unsere SOLUNA bei wenig Wind mit 4,5kn durch türkisblaues Wasser. Genau in diesem Moment bekommen wir auch noch am Bug Besuch von einer Delfinschule – das perfekte Drehbuch für unser neues Segelerlebnis. Am nächsten Morgen, nach Abschied von unserem Lehrer, fahren wir gleich wieder hinaus und schaffen es tatsächlich ohne Probleme den „Riesenballon“ zu setzen, zu bändigen und auch wieder zurück in den Sack zu bekommen. Wir sind gegen Abend im Hafen zurück, mächtig stolz auf uns und feiern unseren Erfolg bei Pizza und Bier im „Pepe Rosa“.

Das ganze Seglerleben besteht eigentlich aus einem ständigen Abschiednehmen und so ist es auch nun bald wieder soweit: Wir nehmen Abschied von freundlichen Menschen, auf der Werft, im Hafenbüro, den zuverlässigen und immer hilfsbereiten Marineros und einem wunderschönen Hafen mit einer netten Direktorin.

Die uns ans Herz gewachsene Seglergemeinde löst sich langsam auf, überall wird die Abfahrt vorbereitet und Abschied in den Lokalen, „Gugliotta“, „Ma Sushi“ und „Pepe Rosa“ gefeiert.

Auch wir werden zum Wochenende unsere Tanks mit 850 Liter Diesel an der Hafentankstelle füllen, 1400 Liter Frischwasser bunkern, die Hafenmole passieren, den letzten Blick auf die Capo d’Orlando Marina werfen und den Kurs voraus auf eine neue, sicherlich spannende Segelsaison 2019 richten.

Weitere Bilder wie immer in der Bildergalerie Sizilien 2018/2019

 

4 Antworten auf “Das Ende naht, der Regen bleibt…”

  1. Hier warten wir schon auf Eure Ankunft im September. Mit dem sauberen Unterwasserschiff und dem Parasailer könntet Ihr ja in ei paar Stunden hier sein.
    Von weitem wird man Euch ja kommen sehen, mit dem glänzendem Gelcoat…
    Liebe Grüsse
    Harald

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