Die Geisterstadt von Port Leone…

…diese Beschreibung im Revierführer macht uns neugierig. Port Leone liegt auf Kalamos, einer Insel mit langem Gebirgszug, der in der Inselmitte bis auf 750m ansteigt. Hier leben 500 Einwohner in zwei Dörfern. Das dritte Dorf, Port Leone ist verlassen und so zieht es uns in diese Bucht. Am Fuß des Berges entdecken wir inmitten von Pinienwäldern zahlreiche halbverfallene Natursteinhäuser, eine verfallene Olivenölfabrik mit einer völlig verrosteten Olivenölpresse und verrostete Autos der 50-ziger Jahre. Das Dorf ist verlassen, nur die gut erhaltene und immer noch gepflegte Kirche erinnert an den Glanz alter Tage. Ihr gelbes Gemäuer mit rotem Dach ist ein beeindruckender Kontrast zur grauen Geisterstadt. 1953 zerstörte hier ein gewaltiges Erdbeben die Lebensgrundlage der ansässigen Fischer und Olivenbauern. Risse in den tiefen Brunnenschächten und einsickerndes Salzwasser ließen die Familien abwandern.

In dieser Bucht testen wir auch unser erstes Anlegemanöver mit Anker und zwei Heckleinen um Felsblöcke gelegt. Spannendes, nicht einfaches Manöver – mit langen, schweren Leinen schwimmend, bringt Susanne die Heckleinen aus – es klappt auf Anhieb. Davon brauchen wir ein Bild von oben! Ohne Drohne kein einfaches Unterfangen. Eine kleine Expedition beginnt und Martin erweist sich plötzlich als „hochalpiner Kletterer“. Durch Gestrüpp unter sengender Mittagshitze und von einem ohrenbetäubenden Grillenzirpen begleitet, schaffen wir es tatsächlich neben dem Gemäuer einer verfallenen Windmühle unser Schiff mit Anker und Heckleinen von oben aufzunehmen.

Hier genießen wir nachts vom Cockpit aus in erster Reihe, wie sich der Vollmond über die Felsen schiebt, wie er sich blutrot verdunkelt und warten bei Retsinawein auf sein Wiedererleuchten. Dazu erklingt Martins Geige mit dem Klassiker „Der Mond ist aufgegangen“

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George’s Taverne, Treffpunkt vieler Segler aus verschiedenen Nationen – auch wir werden von George persönlich beim Festmachen unseres Dingis begrüßt. Seit 30 Jahren betreibt er seinen „Seglertreffpunkt“, wie er es nennt. Taverne direkt am Kai, das hat schon seinen Charme. Ein alter Wasserschlauch, der zunächst ausgiebig gespült wird, füllt direkt im Beiboot unsere beiden mittlerweile gekauften Wasserkanister, denn unsere bestellten Watermakerersatzteile lassen noch auf sich warten.

Am Anker vor diesem Hafen kommt es beinahe zur Katastrophe. Wir frühstücken, wie meist gegen 9:00 Uhr im Cockpit, die Sonne scheint, die See ist spiegelglatt und ein herrlicher Tag beginnt. Martin lässt beim Kaffeetrinken den Blick schweifen und sieht einen größeren hölzernen Fischkutter auf SOLUNA zukommen. Fischverkäufer oder nicht – diese Frage verstummt, er fährt weiter direkt auf uns zu. Martin hechtet zum Typhon und gibt einen langen Signalton. Fassungslos müssen wir zusehen, wie in letzter Sekunde ein Fischer von hinten ins Ruderhaus stürzt und den Kurs ändert. Der Passierabstand – haarsträubend – und knapp ist er an uns vorbei. Martin, der etliche solcher Situationen extremer Annäherungen in seinem früheren Berufsleben erlebte, braucht an diesem Tag lange um wieder zur Ruhe zu kommen.

Weitere Bilder wie immer in der Bildergalerie Sommer 2018 und Filme

Unsere aktuelle Position: Törns und Position

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