Im Land der Vulkane

Vor ca. 360.000 Jahren erhob sich nördlich von Sizilien das Meer und brodelnd entstanden aus der Tiefe des Meeres sieben Inseln, die nach wechselhafter Geschichte heutzutage bewohnt sind. Schnell verdrängt man die immer noch latent vorhandene Gefahr neuer schwerer Ausbrüche. Stromboli hob sich aus einer Meerestiefe von 2000 Metern und zählt mit dem Vulkan auf der Insel Vulcano zu den gefährlichsten noch tätigen Vulkanen der Erde. Stromboli erlebte zuletzt 2003 schwere Ausbrüche, die trotz vieler Messstationen der Vulkanologen keiner vorausgesagt hatte. Alle Fachleute sind sich sicher, die nächsten  Eruptionen werden kommen, doch niemand weiß wann.

Rund zwei Wochen durchsegeln wir diese bedrohliche und zugleich faszinierende Inselwelt.

Ende Mai feiern wir mit der ersten von Susanne hergestellten SOLUNA-Torte und einem abendlichen Fischessen im Hafen von Pecorini auf der Insel Filicudi Martins Geburtstag.

Wie immer fällt der Abschied schwer und so umrunden wir noch Teile der Insel und passieren den weltberühmten und bei Extremkletterern beliebten Nadelfels und die blaue Grotte.

Auf der Überfahrt von Filicudi nach Salina gelingt uns bei achterlichen Winden das erste „Ausbaummanöver“, obwohl wir genau zu diesem Zeitpunkt von einem Delfinschwarm überholt werden. Wir lassen uns nicht ablenken, denn es ist uns beim Manöver auf dem Vorschiff schnell klargeworden, welch enormen Kräfte bei einem großen und schweren Schiff auftreten.

Unser nächstes Ziel, die Insel Salina, liegt nur ca. 8 Stunden entfernt und dort erleben wir Inselleben in der Vorsaison.

Nach 20 Minuten Fußweg bei sommerlichen Temperaturen und unter dem Schutz von mehr oder weniger hübschen Hüten (Martin „hasst“ jegliche Form von Hüten oder Kappen) gelangen wir zum zweiten Kultlokal der liparischen Inseln – zum Restaurant „Da Alfredo“ in Lingua. Seit 40 Jahren sind „Pane Cunzato“ und „Granite“ seine Spezialität und eine Galerie von Gästebildern aus aller Welt sein Erfolg. Schnell lernen wir trotz heftiger Sprachprobleme Alfredo im Original kennen, die Chemie stimmt und schon haben wir von ihm eine persönliche Einladung zu dritt mit seinem Auto zum „Festa del Cappero di Salina“. Stolz zeigt er uns am nächsten Abend auf einer abenteuerlichen Serpentinenfahrt mit seinem betagten Fiat die schönsten Stellen seiner Heimat, so auch den Originaldrehort zum bekannten Film „el Postino“, den wir bald im Bordkino sehen werden. Er erklärt uns an einer Kapernblüte die aufwendige Vorgehensweise bei der Ernte.

Alfredo kennt alle auf der Insel und da das geduldige Anstehen in einer langen Schlange nicht seine Stärke ist, sind wir in Minutenschnelle an der Kasse und erhalten für 5 Euro das grüne Armband zum uneingeschränkten Genuss des Kapernfestes. Überall werden wir netten und interessanten Italienern vorgestellt, genießen die Vielfalt der Kaperngerichte, werden mit reichlich Wein versorgt und tanzen in lauer Sommernacht zu italienischer Livemusik.

Die nächtliche Serpentinen Heimfahrt und die Rückkehr mit dem Schlauchboot werden unter erhöhtem Alkoholpegel zu einer besonderen Herausforderung.

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Ein besonderer Wunsch von Martin, die nächtlichen Eruptionen des Stromboli zu erleben, geht leider nicht in Erfüllung. Wir erreichen bei letztem Tageslicht einen bereits von Yachten dicht besiedelten Ankerplatz – der Ankergrund ist sehr schlecht und es weht ein rauer Wind. Irgendwie wirkt die Szene eigenartig und bedrohlich. Die Yachten liegen in enger Formation, wie in einem Freiluftkino und starren auf den Vulkan. Außer Rauch passiert nichts und schließlich ruft die Koje!

Die morgendliche Planung, mit dem Dingi an Land zu fahren und einen geführten Aufstieg zum Kraterrand des Vulkans zu buchen, bricht jedoch jäh zusammen. Wir springen in das zappelnde Beiboot, der Außenborder springt an, Susanne löst die letzte Leine und wir sind auf offener See. Die Bemerkung von Martin, wie gut in solcher Lage einen zuverlässigen Motor zu haben, wird durch den Zusammenbruch des Motorgeräusches beendet. Der Motor steht, wir treiben ab … verzweifeltes und vergebliches Reißen am Anlasserseil bringt überhaupt nichts, der Motor hat seinen Dienst quittiert. Hektisch werden die Paddel klariert, jetzt muss es schnell gehen. Zurück zum Mutterschiff, egal wie. Der hohe Adrenalinspiegel schafft es tatsächlich, wir kommen erschöpft aber glücklich zu unserer Badeplattform zurück. Irgendwie soll es nicht sein – Stroboli adé und auf zum nächsten noch tätigen Vulkan.

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Die Insel Vulcano empfängt uns am Ankerplatz mit einem dezenten Duft nach verfaulten Eiern und Erinnerungen an den Chemieunterricht werden wach. Bei der abendlichen Planung, wird uns klar, wie lebenswichtig für uns ein zuverlässig funktionierender Außenborder ist. In der Nacht nimmt der Gestank zu und als ein Ankernachbar per Funk erzählt, seine Frau würde sich gerade vom faulen Eiergeruch übergeben, fällt der spontane Entschluss, auf sizilianisches Festland zurück zu segeln, um uns dort in einer Werft um unseren Außenborder zu kümmern.

Wir hatten in Seglerkreisen schon des öfteren von einem neuen Hafen gehört, der 2017 eingeweiht wurde. Fünf Wochen ununterbrochenes Ankerleben – jetzt leisten wir uns einen Hafenliegeplatz. Am UKW verhandelt Martin mit dem Hafenbüro von Capo d‘Orlando und immerhin ein Erfolg. Drei Nächte zum Preis von zwei Nächten, jedoch immerhin noch 250€. Der Langkieler gehorcht diesmal beim Manövrieren und kurze Zeit später liegen wir in einer schönen breiten Box in einem noch wenig belegten Hafen. Eine der Damen im Hafenbüro ist zufälliger Weise eine Berlinerin und so hilft uns Lara mit großer Geduld bei unserem Problem mit dem Außenborder. Werftleiter Peppe und Chefmechaniker Antonio helfen uns. Nach zwei Stunden Operation findet der Außenborder zurück ins Leben. Stolz fahren wir zum Schiff zurück, nichtsahnend, dass dieses Problem noch lange nicht ausgestanden ist.

Nach drei erholsamen Tagen und Nächten mit schönen Restaurants, Livemusik, Fassbier und nettem Hafenpersonal verlassen wir unseren Liegeplatz, bunkern noch 180 Liter Diesel und bringen unseren Wassertank zum Überlaufen.

Die Fahrt durch die Straße von Messina, die Eintrittskarte in das östliche Mittelmeer, wird in Seglerkreisen völlig kontrovers beurteilt. Die Einen sprechen von heftigem Fährverkehr und gefährlichen Strudeln und verbreiten Ängste, die Anderen finden alles „ganz easy“. Nach Durchfahrt in herrlicher Abendstimmung, schließen wir uns der „Easyfraktion“ an. Susanne hatte die Zeit für den günstigsten Strom wohl gut berechnet und so rauschen wir mit 8 Knoten Geschwindigkeit durch das Nadelöhr. Nur zwei Fähren zwingen uns zum Ausweichen – wir haben es geschafft. Stolz und glücklich schalten wir die Maschine aus, setzen unsere große Genua und rauschen mit Windkraft in die anbrechende Dunkelheit. Da wir keine passenden Ankerbuchten bei Tageslicht finden, segeln wir durch die Nacht und lassen am nächsten Morgen vor einem typisch italienischen Ort in Kalabrien den Anker fallen.

Wie immer schnell unser Wassertaxi zu Wasser, und ….. es darf nicht wahr sein, wieder springt der Motor nicht an. Wir geben nicht auf, Antonios Operation wird wiederholt, der Motor springt an und geht sofort wieder aus – das Vertrauen zum Motor ist dahin.

Nach abenteuerlichen Telefonaten in verschiedenen Sprachen mit einem 30 Kilometer entfernten Yamaha-Händler verabreden wir ein Treffen am Strand. Wir paddeln an Land und tatsächlich liegt in seinem Kofferraum unser neuer Hoffnungsträger, ein nagelneuer 6 PS Außenborder.

Letzte Nacht war keine ruhige Nacht am Anker. Windstärke 7-8 Beaufort rissen an der Ankerkette. Diese Nacht soll laut Wetterprognose nicht besser werden, der Wind heult bereits in den Wanten, doch wir sind in den Startlöchern und warten auf das richtige Wetterfenster. 200 Seemeilen offene See warten auf uns…..

 

Die einzelnen Törns und Ankerplätze kann man im Menüpunkt: Törns und Position „verfolgen“. Ebenso kann dies durch „Vesselfinder“ unter Eingabe unseres Schiffsnamens oder unserer MMSI Nr. 211 367 170 geschehen.

Weitere Bilder wie immer in der Bildergalerie  Sommer 2018 und SOLUNA Living

5 Antworten auf “Im Land der Vulkane”

  1. Wunderschöner, spannender und lehrernder Beitrag. Bei allen Teilberichten dieses Beitrags lernt man etwas dazu und sehr nett alles beschrieben . Weiter so, es ist ein Genuss Eure Beiträge zu lesen. Herzliche Glückwünsche zu Eurem neuen Aussenborder. Hoffentlich hält der lange…Bis bald.

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  2. Hallo!!!
    Wonderful this post with so much information and those beautiful pictures.
    Good luck with your Dinghy engine, je, je,…. It is always like that.
    Hope you have a nice trip to Corfu.
    Grüße,
    Belén.

    Gefällt 1 Person

  3. Sehr schön geschrieben! Wir lieben die Liparischen Inseln und hatten das Glück Strombolis Vulkan beim Nachtsegeln erleben zu dürfen. Noch eine tolle Reise! Die Crew der SY eMMa

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