„Haie“ in Sicht

Anfang Mai soll es endlich losgehen, die Belohnungsphase soll beginnen, die Nervosität steigt, Vorräte werden gebunkert, die Dieseltanks mit insgesamt 850 Liter Diesel betankt, beim Hafenamt und befreundeten Yachten verabschiedet, Wetterberichte werden eingeholt und ausgewertet, der Frischwassertank 1400 Liter bis zum Überlaufen gebracht und endlich …… an einem Mittwoch, der Windkorridor zwischen Mistral und Tramontana verspricht eine ruhige Überfahrt, schmeißen wir gegen 11 Uhr die Leinen los. Wir passieren die Hafenmole, ein ergreifendes Gefühl, die Reise nach Griechenland ins Ionische Meer beginnt. Die See ist ruhig, die Sonne blendet und der Wind schiebt uns mit mittlerer Stärke Richtung Mallorca.

Plötzlich ein Schrei von Susanne, an Steuerbord Seite sind drei spitze schwarze Haiflossen zu sehen, die uns relativ nah verfolgen. Martin (leidet an einer mittelschweren Haiphobie) wechselt die Gesichtsfarbe, denn die Haie werden immer mehr! Gleich am Anfang der Reise von Haien eingekreist zu sein, verlockt nicht gerade zum Badestopp! Eine große Flosse nähert sich dem Schiff, der Hai macht einen betrunkenen Eindruck, denn er liegt auf der Seite und wirkt merkwürdig rund! Was ist hier los? Susanne hat den entscheidenden Tipp, sie hatte früher von Fischen gehört, die auf der Seite schwimmen und mit der Flosse winken. Ein „Winkefisch“, Martin hält nichts von dieser Theorie. Da wir noch eine schwache Internetverbindung zum Festland haben, bestätigt sich rasch die Vermutung – es sind sehr viele Mondfische in unmittelbarer Nähe um unser Schiff. Ein komisches Gefühl als wir lesen, dass dieser Fisch als der schwerste Knochenfisch der Welt gilt, sehr selten zu sehen ist, eine Länge bis zu 3,3 Metern und ein Gewicht bis zu 2,3 Tonnen erreichen kann. Mit seiner schwarzen  haiähnlichen Flosse scheint er wirklich zu winken. So wird der Fisch auch Winkefisch genannt. Tatsächlich gelingt Susanne das Bild der Reise – ein Mondfisch aus unmittelbarer Nähe. Man macht sich Gedanken, wenn SOLUNAs Gewicht von 28 Tonnen bei einer Fahrt von 5 Knoten (fast 10 km/h) auf Mondfisch Gewicht von 2 Tonnen treffen, wer schwimmt weiter???

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Die „Hai Armada“ verschwindet hinter uns und Entspannung macht sich im Cockpit breit. Plötzlich erschüttern zwei Explosionen im Schiffsinneren unsere SOLUNA, die sich kurz schüttelt und dann weiter auf Kurs bleibt. Geschockt sehen wir uns an. Der Blick achteraus bringt die Gewissheit – ein ca. 5 Meter langer Baumstamm schwimmt in unserem Kielwasser. Hallberg Rassy Yachten gelten als sehr stabil gebaut und dies beruhigt bei solchen Ereignissen doch sehr.

Zur Entspannung umkreisen uns bald darauf Delfine und wir sehen in ca. 200 m die Fontäne eines Wales. Die Sonne verabschiedet sich glutrot am Horizont und die Nacht bricht herein. In dieser Nacht lässt der Wind gegen Mitternacht stark nach und eine ungemütliche Dünungswelle raubt uns den Schlaf. Morgens fällt bei herrlicher Sonne in der Bucht von Port Pollença der Anker. Das Schlauchboot zu Wasser, den Außenborder montiert und wir machen unsere erste Erkundungsfahrt. Eine gut geschützte Bucht mit lohnendem Landgang wartet auf uns!

Törnaufzeichnung und Position

Weitere Bilder der Reise

 

8 Antworten auf “„Haie“ in Sicht”

  1. Liebe Susanne, lieber Martin (unbekannterweise),
    herzlichen Glückwunsch! Zu Eurem Tourstart aber vor allem zu Eurer ungeheuren Fortune, Mondfischen begegnet zu sein (im Englischen Sunfish, weil sie eben so an der Oberfläche in der Sonne liegen. Warum sie das tun, dafür gibt es mehrere Theorien. Es sind auch schon Seevögel beobachtet worden, die dabei Parasiten vom Fischkörper picken). Manche Taucher fliegen dafür um die halbe Welt. Absolut friedfertige Tiere, was sollten sie mit dem vergleichsweise kleinen Maul auch anstellen. Da könnt Ihr gefahrlos mitschwimmen. Mondfische lieben tiefes und vor allem kaltes Wasser und kommen mit kühlen Strömungen zur Oberfläche. Das Glück (ja, wir Taucher reden da von Glück!) Haie im Mittelmeer zu treffen, ist dagegen eher gering. Leider, leider, werden doch weltweit jährlich ca. 100 Millionen (!!) dieser eleganten und für die Gesundheit unserer Meere so unerhört wichtigen Predatoren ihrer Rückenflossen wegen abgeschlachtet. Solltet Ihr welche sehen, freut Euch, geht vielleicht nicht Schnorcheln aber geniesst einfach den Anblick. Hollywood und Sensationspresse richten da seit Jahrzehnten grosses Unheil für diese Tiere an. Tödliche Haiunfälle liegen lt. Statistik bei ca. 8-10 /Jahr. Dagegen werden allein in Indien jährlich ca. 500 Menschen von Elefanten getötet. Wenn es Euch interessiert, schaut mal bei http://www.sharkproject.org oder http://www.sharkeducation.com rein.
    So. Und jetzt gute Weiterfahrt, viel Spass und Erfolg!
    Ach ja. Falls Ihr doch einen Hai seht, bitte Fotos machen und mich informieren.
    Herzliche Grüße
    Sibylle

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    1. Hallo Sibylle,
      lieben Dank für die tollen Erklärungen. Von den Mondfischen war ich fasziniert seit ich ein Bild eines Tauchers mit einem riesigen Exemplar gesehen hatte. Letzten Sommer haben wir dann kleinere Mondfische im Aquarium in Barcelona gesehen. Aber, dass sie so an der Wasseroberfläche horizontal schwimmen, hatte ich noch nie gesehen. Daher bin ich auch erst gar nicht auf die Idee gekommen, dass es sich um Mondfische handelt. Auch von der Theorie, die du berichtest, wussten wir nichts. Aber wir sind wirklich über eine Stunde durch den Schwarm gesegelt.
      Haie habe ich bisher auch nur in Aquarien und in freier Wildbahn auf den Malediven und Fuerteventura gesehen. Da werden wir uns deine Hinweise im Internet nochmal genau durchlesen. Und falls wir welche hier im Mittelmeer sehen auch sofort an dich denken.
      Viele Grüße von der Soluna

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  2. Herzliche Grüße aus Brandenburg und die besten Wünsche für euren Törn, der ja mit wunderbarer Begleitung begann. Die Kollision mit dem Baumstamm ging bestimmt durch Mark und Bein, toll, dass ihr euch auf eure Soluna so verlassen könnt.

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  3. Hallo Ihr Beiden,
    ja, um diese Jahreszeit sieht man „Pseudo“Haifische. Sehr geläufig hier in dieser Gegend. Allerdings nicht essbar und ein ähnlicher „Kugelfisch“ ist sogar giftig. In den verschiedenen Marinas hängen Warnhinweise.
    Jetzt fehlt Euch nur noch die Riesenkrake, vielleicht war der der „Bumbs“? Seid beruhigt, auch das hält Euere Hallberg Rassy aus!

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  4. Hi, friends!!!
    How lucky you are, Moonfishes all around you…. Ja, ja,….
    Nice to know you are already sailing, on your way to Greece.
    We miss you both here, in Port Ginesta!!!!
    Grüße,
    Belén

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  5. Schön, dass die Zeit nicht still steht und Ihr endlich Euren Traum zu leben beginnt. Wenn wir wieder mal in Barcelona sein werden, werden wir sagen, ja, da lagen die Beiden mit der Soluna im Hafen und jetzt…..? Nichts mehr mit einem Besuch bei Euch. Es schwingt schon ein wenig Wehmut mit. Aber da Ihr so ein tollen Blog habt und wirklich mit einem tollen Reisebericht beginnt, sind wir Euch auf den Fersen😁. Ist schon unglaublich, was Ihr im Mittelmeer so seht, habe ich beim Tauchen noch nie gesehen, nur aus phantastischen Erzählungen anderer Taucher am Lagerfeuer gehört. Wie macht Ihr das bloß, ist das Euer Spirit? Behaltet ihn, habt weiterhin wunderbares Segelwetter, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und …. immer einen flotten Federkiel!!! Und natürlich soll Susanne weiter ordentlich mit der Kamera tanzen. Wir freuen uns auf weitere Bilder!
    Ganz liebe Grüße von Sabine und Lutz

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    1. Hallo ihr Zwei,
      vielen Dank für die begeisterten Kommentare.
      Wir sind gespannt, was uns dieser Sommer alles eröffnen wird und schauen wohin es uns treibt. Das Mittelmeer bietet viele Möglichkeiten der Begegnungen.
      Liebe Grüße,
      Susanne und Martin

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