Ein Jahr SOLUNA – 10 –

Letzte Großbaustellen –

Drei Großbaustellen fehlen noch in unserem Jahresrückblick – unser Arbeitsjahr nähert sich dem Ende!

Teakdecksanierung, Überholung der Ankerwinsch inclusive aller Deckswinschen und Reinigung der Dieseltanks mit Austausch aller Dichtungen, das sind die letzten Hürden die gemeistert werden müssen.

Wie oft im Leben ist der Zufall auf unserer Seite, denn wir lernen ein nettes Seglerpaar aus Berlin kennen, die auch zufälligerweise Spezialisten für die Aufarbeitung von Teakdecks sind. Die in die Jahre gekommene „Epidermis“ unserer alten Dame soll gestrafft und für ihr weiteres Leben fit gemacht werden. Zusammen mit unseren „Teakdeck – Dermatologen“ gelingt uns in 9-wöchiger mühsamster Arbeit ein Meisterwerk und viele erstaunte Besucher glauben, sie betreten ein neu verlegtes Teakdeck. Bis auf den Mast werden alle Beschläge an Deck demontiert, die alten Sikkaflex Gummis werden rausgefräst, die alte Verschraubung der Teakplanken entfernt, schadhafte Hölzer ersetzt und das Originalholz aus dem Baujahr 1990 im Cockpit vollständig erneuert. Im Jahr 2002 bekam unser Schiff damals in Holland bereits ein neues Teakdeck und so lohnte sich die Überarbeitung. Das Wetter und die Toleranz unseres netten französischen Nachbarn Phillip sind in den 9 Wochen die großen Unbekannten, denn an einigen Tagen herrscht striktes Regenverbot und das Gehör unseres Nachbarn wird bis an die Stressgrenze belastet. Die genaue Erklärung einzelner Arbeitsschritte würde viele Zeilen dieses Berichtes füllen und so lassen wir Bilder sprechen, die sehr viel aussagen.

 

Wenn alle Beschläge und Winschen schon mal abgebaut sind, bietet sich natürlich eine gleichzeitige Totalreinigung und Überholung an. Aus diesem Entschluss entsteht eine 4 wöchige Baustelle auf dem durch Decken gut geschützten Salontisch. Die Zerlegung einer Winsch in dutzende Einzelteile ähnelt schon einer Operation, denn alles zerlegte muss auch wieder zusammengesetzt werden, ganz abgesehen mal von den Werten, wenn man in alten Originalrechnungen liest, dass eine 66-er Lewmar Winsch mit Motor ca. 8500 Euro kostet. Jedes einzelne Zahnrad wird per Hand und unter Einsatz von Petroleum und Wattestäbchen liebevoll gereinigt. Eine Verwechslung der Einzelkomponenten unserer 6 Cockpitwinschen käme einer Katastrophe gleich und so haben wir bald 6 schwere gelbe Kisten als Mitbewohner im Salon stehen. Den Zusammenbau der gereinigten Teile übernimmt das Wissen aus Susannes Maschinenbaustudium und die endgültige Montage auf das frisch verlegte Cockpitholz ist die Belohnung. Der Druck auf den Elektrotaster erinnert an einen 50:50 Joker – Erfolg oder Totalzerstörung ist eine nervenbelastende Alternative. Es ist unfassbar, ein „ruhiges Brummen“ ist die Gewissheit – Operation Winschüberholung gelungen.

 

Die problemlose Funktion unserer 1500 Watt Lofrans Ankerwinsch wird für das Glück unseres Seenomadenlebens und unseres Bordportemonnaies ganz entscheidend sein, denn das Leben am Anker erspart uns teilweise erschreckend hohe Liegeplatzgebühren in den Häfen. Auch sie wird nach gestiegenem technischen Wissen und Selbstvertrauen total zerlegt. Auf Empfehlung unseres Nachbarn Harald finden wir unseren Wunschladen – ein freundlicher spanischer Verkäufer reicht uns nach kurzem Warten wie selbstverständlich 2 Simmerringe und Kugellager, die sonst als Original Lewmar Ersatzteile ein wochenlanges Warten bedeutet hätten. Bei sehr günstigem Preis kaufen wir die Teile gleich doppelt und legen sie in unser Ersatzteillager. Die tagelange Arbeit lohnt sich. Für die Summe von 35 Euro können wir stolz das folgende kurze Video einer komplett überholten Ankerwinde präsentieren!!!

 

320 kg (70 m Kette plus 40 kg Rocna Anker) wird sie nun in Zukunft “gutgelaunt“   aus der Tiefe des Meeres an Deck hieven.

 

 

Dieselschlamm, Tankbakterien, deren Beseitigung und Verhinderung lösen, sobald 2 Fahrtensegler aufeinandertreffen, eine leidenschaftliche Diskussion aus und in der Tat ist dies ein lebenswichtiges Thema, denn die Hauptmaschine setzt tragischer Weise immer dann durch verschmutze Filter aus, wenn das Schiff sich in gefährlichem Umfeld befindet. Bilder im Internet und deren Folgen lässt einem klarwerden – wir wollen das Schicksal nicht herausfordern, sondern die Tanks öffnen, Dichtungen austauschen, Bakterienschlamm absaugen, die Tanks komplett reinigen und einen zusätzlichen großen Filter vor die Förderpumpe zum Tagestank setzen. Hier brauchen wir das Wissen und die Hilfe einer Fachfirma. Auf Empfehlung erscheint ein gut gelaunter Chilene der unter Einsatz von spanischen Worten wie z.B. vale, perfecto, no problemo, muy facil, rapido etc. unser Vertrauen gewinnt. Mit Gonzalo zusammen kriechen wir für drei Tage in die Tanks und besiegen erfolgreich die Dieselbakterien.

 

 

 

Mit diesem 10. Bericht geht auch der große Jahresrückblick über unser erstes Jahr „SOLUNA Living“ zu Ende.

Wir erlebten ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen, erfuhren viel über Funktion und Aufbau unseres Schiffes, investierten nochmals finanziell in unsere SOLUNA, lernten viele interessante Menschen aus verschiedenen Nationen kennen, schlossen Freundschaften und verlebten nach getaner Arbeit viele schöne und lustige Stunden in Strandbars und Tapas Tavernen.

Das Schiff ist uns in dieser Zeit ans Herz gewachsen, wir als Paar haben gelernt auf engem Raum zusammenzuleben und Probleme gemeinsam zu lösen …

Das Leben ist schön – genieße es jetzt ….

Nun leben – und erleben wir unser neues Lebensmotto und werden versuchen Euch daran teilnehmen zu lassen.

2 Antworten auf “Ein Jahr SOLUNA – 10 –”

  1. Hallo ihr beiden,
    dieser Bericht ist ein super Abschluss eurer Arbeiten !
    Ich bin schon sehr gespannt auf viele weitere Geschichten. Ihr inspiriert mich und ich bin sehr stolz auf euch 🙂

    Alles Liebe,
    Johannes

    Gefällt 1 Person

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